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Die letzten Worte – Die Feder des Monats #2 | 2024

Die letzten Worte

Die letzten Worte

Betreten verharrten Vertraute und Erben.
Die Nacht brach herein und ein Mann lag im Sterben.
Benetzt war die Haut auf dem Kopfe, dem kahlen,
ermattet lag stöhnend der Meister der Zahlen.

Verschlossen die Lippe, ermüdet die Lunge,
verblichen die Augen und reglos die Zunge.

„So sag' uns doch bitte, Verehrter, Geschätzter:
Wie lautet Dein sehnlichster Wille, Dein letzter?“
Doch hüllte – der Abend begann sich zu neigen -
der große Bossut sich in finsteres Schweigen.

Da trat zu der kühlen und nächtlichen Stunde
Kollege Maupertuis leis' in die Runde.

Er fasste Bossut an den blutleeren Händen
und meinte, das Schweigen, es müsse nun enden.
Dann fragte der Forscher, verlockend und zart:
„Oh, sag' mir, mein Freud: Was sind zwölf im Quadrat?“

Zu hören im Saale, ganz leis' an der Wand nur,
war einzig das Ticken der hölzernen Standuhr.

Und plötzlich begann, mit Erzittern und Beben,
der schmachtende Sieche den Blick zu erheben,
die kraftlose Lunge mit Luft voll zu saugen,
erkannt' den Kollegen mit wäss‘rigen Augen.

Erstarrt auch die Erben, die Blicke verwundert,
Da dröhnte der matte Malade „Einhundert...“,

pedantisch ertönte von hinten: „Er irrt sich!“,
da brüllte der Sterbende laut: „...vierundvierzig!
Die Stimme verhallte im schmucklosen Zimmer.
Dann seufzte Bossut und verstummte für immer...
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Kommentare (9)

Josina ·
Lieber Georg,
Ich glaube, den französischen Mathematiker Charles Bossut hätte dein Gedicht sehr gut gefallen.
Mir auch etwas makaber, doch spannend.
Herzliche Grüße
Josina
Anaximandala ·
Hallo Georg,

eine schöne Anekdote!
Ob sie so geschehen ist (ist sie?), oder nicht, etwas wahres ist wohl ganz bestimmt darin .. Ein mancher ist seiner Passion ganz verschrieben und jeder wählt seine Heimat selbst 😉

Dein Gedicht hat kurz gedauert 😄
eine schöne Idee 🙂

Liebe Grüße
Delf
Alexander ·
Hi Georg,
Ja, einfach klasse geschrieben. Chapeau! Eine originelle Idee! Manche leben ihren Traum bis zum Schluss.

LG Alex
Faber ·
Lieber Georg,

mal wieder eine Perle, die du hier gekonnt ablieferst. Ich hoffe, es sind nicht deine letzten Worte 😉

LG
Faber
Georg C. Peter ·
Liebe @Josina,

vielen Dank für Dein netten Worte.
Ob Bossut das Gedicht gefallen hätte, weiß ich nicht - Mathematiker sind ja häufig nicht sehr poetisch interessiert.
Aber immerhin starb er mit einer korrekt gelösten Aufgabe. Das ist doch auch schön. 😉

Hi Delf @Anaximandala,

vielen Dank auch Dir!
Es handelt sich um eine überlieferte Anekdote.
Ob sie auch WAHR ist, kann ich natürlich nicht garantieren.

Hi @Alexander,

vielen Dank für Dein Lob.
Ja, sie leben in ihrer eigenen Welt. Insofern leben sie auch ihren Traum.

Hallo @Faber,

Danke für die "Perle", die flechte ich mir ins Haar. 😉
Und keine Sorge: Das letzte Wort ist hier noch nicht gesprochen. :dududu_m:

Merci an alle und liebe Grüße,
Georg
Letreo71 ·
Das ist toll und witzig geschrieben, lieber Georg und ich freue mich , dass eine meiner Stimmen an dich ging!

Sehr gern gelesen.

Lieben Gruß, Letreo
Georg C. Peter ·
Wie schön, von Dir zu hören, liebe @Letreo71!

Wir stehen auf dem (Nicht-ganz-Sieger-) Treppchen ziemlich dicht beieinander, und das finde ich sehr schön! 🙂

Vielen Dank für Deine Stimme und liebe Grüße,
Georg
SalSeda ·
Lieber Georg,

das konnte nur von dir sein. Wer sonst fischt solche Anektötchen zielsicher aus aus dem übervollen Geschichtstopf.
Wie immer: gar köstlich! Perfekt geschrieben und trotz der an und für sich traurig sein sollender Situation wieder voller Humor.

Grüße dich ganz lieb
Sali
Georg C. Peter ·
Liebe Sali @SalSeda,

wie schön, von Dir zu hören!
Und: Wie schade, dass Du nicht dabei warst (ich wähnte Dich schon unter den Autorinnen...)

Vielen Dank für Deine lobenden Worte über das "Anektötchen" (köstlich! 🙂 )
Ich hoffe, beim nächsten Mal gibt's wieder ein battle?

Ganz liebe Grüße gehen an Dich und ins Schöne Franken!
Georg

PS: Auf youtube gäbe es auch noch eine kleine Hörspielfassung... 😉

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