www.poeten.de

Poeten.de ist ein kreatives Forum und ein Treffpunkt für alle, die gerne schreiben – ob Gedichte, Geschichten oder andere literarische Werke. Hier kannst du deine Texte mit anderen teilen, Feedback erhalten und dich inspirieren lassen. Um eigene Beiträge zu veröffentlichen und aktiv mitzudiskutieren, ist eine Registrierung erforderlich. Doch auch als Gast kannst du bereits viele Werke entdecken. Tauche ein in die Welt der Poesie und des Schreibens – wir freuen uns auf dich! 🚀

Vor dem Sturm – Die Feder des Monats #1 | 2023

Vor dem Sturm

Das Flüstern der Felder in der flimmernden Luft
hat keine Eile denn ihre Botschaft ist eine ewige
und die Silben ihrer Wahrheit dehnen sich aus
wie der Zeitlupenflug eines Schleichvogels

Liegt dieser Mann im Graben des Ackerrands
um reglos zu lauschen oder ist er schon tot
von einem tuckernden Traktor gerammt
beim erfolglosen Versuch Stillstand zu erschaffen

Welches Gerücht kriecht nun über die Furchen
und wer sind die Gläubigen die ihm folgen
diese schwirrende Prozession durch Mehltau gehemmt
verzweifelt an der Langsamkeit ihrer Hast

Die verschwimmende Landschaft hält den Atem an
und zieht sich stumm in sich selbst zurück
während die Hitze in ihr steigt und lähmt
eine Fliege erstarrt auf der Stirn des Mannes
Dieser Wettbewerb ist abgeschlossen und ausgezählt. Die Autoren sind bekannt, Kommentare sind freigeschaltet.
Ergebnis anzeigen

Kommentare (1)

Nesselröschen ·
Hallo, Marcel,

ich finde dein Gedicht sehr beeindruckend und gut - es hätte viel mehr vorne stehen müssen!

Es ist sehr spannend aufgebaut, beinhaltet wundervolle Stellen, schafft schöne und gleichzeitig geheimnisumwitterte Bilder (die Ahnung darf ruhig Ahnung bleiben - ein Kriminalfall vielleicht, der u.U. für ewig ein Rätsel bleibt):

"Das Flüstern der Felder in der flimmernden Luft
hat keine Eile denn ihre Botschaft ist eine ewige"

- die Botschaft vom Tod?

"Welches Gerücht kriecht nun über die Furchen
und wer sind die Gläubigen die ihm folgen
diese schwirrende Prozession durch Mehltau gehemmt
verzweifelt an der Langsamkeit ihrer Hast"

Die in Mehltau gehüllte Prozession könnten all jene sein, die in Weiß gekleidet herumschwirren, den Fall untersuchen und nur langsam vorankommen. -

Der Zeitlupenmoment:

"Die verschwimmende Landschaft hält den Atem an
und zieht sich stumm in sich selbst zurück
während die Hitze in ihr steigt und lähmt
eine Fliege erstarrt auf der Stirn des Mannes"

... und die Fliege, die Gewissheit schafft.

Ein ganz tolles Gedicht, das mich lange gefangen hält!

Lieben Gruß
Nesselröschen

Du musst angemeldet sein, um zu kommentieren.

Zurück
Oben