hat keine Eile denn ihre Botschaft ist eine ewige
und die Silben ihrer Wahrheit dehnen sich aus
wie der Zeitlupenflug eines Schleichvogels
Liegt dieser Mann im Graben des Ackerrands
um reglos zu lauschen oder ist er schon tot
von einem tuckernden Traktor gerammt
beim erfolglosen Versuch Stillstand zu erschaffen
Welches Gerücht kriecht nun über die Furchen
und wer sind die Gläubigen die ihm folgen
diese schwirrende Prozession durch Mehltau gehemmt
verzweifelt an der Langsamkeit ihrer Hast
Die verschwimmende Landschaft hält den Atem an
und zieht sich stumm in sich selbst zurück
während die Hitze in ihr steigt und lähmt
eine Fliege erstarrt auf der Stirn des Mannes
ich finde dein Gedicht sehr beeindruckend und gut - es hätte viel mehr vorne stehen müssen!
Es ist sehr spannend aufgebaut, beinhaltet wundervolle Stellen, schafft schöne und gleichzeitig geheimnisumwitterte Bilder (die Ahnung darf ruhig Ahnung bleiben - ein Kriminalfall vielleicht, der u.U. für ewig ein Rätsel bleibt):
"Das Flüstern der Felder in der flimmernden Luft
hat keine Eile denn ihre Botschaft ist eine ewige"
- die Botschaft vom Tod?
"Welches Gerücht kriecht nun über die Furchen
und wer sind die Gläubigen die ihm folgen
diese schwirrende Prozession durch Mehltau gehemmt
verzweifelt an der Langsamkeit ihrer Hast"
Die in Mehltau gehüllte Prozession könnten all jene sein, die in Weiß gekleidet herumschwirren, den Fall untersuchen und nur langsam vorankommen. -
Der Zeitlupenmoment:
"Die verschwimmende Landschaft hält den Atem an
und zieht sich stumm in sich selbst zurück
während die Hitze in ihr steigt und lähmt
eine Fliege erstarrt auf der Stirn des Mannes"
... und die Fliege, die Gewissheit schafft.
Ein ganz tolles Gedicht, das mich lange gefangen hält!
Lieben Gruß
Nesselröschen