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Wie ein Atem holen weit – Die Feder des Monats #4 | 2022

Wie ein Atem holen weit

Das Dorf dem wir als Kind entkamen
-hinaus in Wälder und durch Felder
Bachläufe versteckt in Farnen -,
vor dem erwachsen werden
war uns der letzte, dunkle Platz auf Erden
als wir dann älter waren

Und seine süß-giftigen Gaben
nahmen wir unter Beschwerden
und wollten bloß
erwachsen werden
und in der Stadt Leben erfahren:
Größer werden als wir waren
und all die Narben
mit erhabenem Entsagen:
Dem Irren daß man je unschuldig bleiben kann...

Es kam was man in einer Stadt so haben kann
und es begann ein Wuchern von Traum und Alptraum
Stern um Stern fiel aus dem Städterraum
zurück blieb nichts als Ahnung von dem Saum
des Einen, der alle Wunden heilen kann
und angekommen auf dem Weg begreifend
dass das Leben sich schon immer lebt,
sehnst du dich plötzlich nach dem Anfang, dort wo
dir alles begann und flüsterst bang die immer gleichen Fragen
in die Dunkelheit

Längst bereit die Dinge mit erhabenem Entsagen aufzugeben
weil du weißt, daß kein Reichtum glücklich machen kann
ohne den schöpferischen Drang
die Flamme in der Dunkelheit zu fachen:
Selbstverwirklichendes Leben, kinderhaftes Lachen
denn worauf richtet sich das wahre Streben
wenn nicht immer auch danach zu werden
was sich ganz entfalten will
und gleich nun ob der Weg das Ziel
ist oder wichtig ist wer auf dem Weg bei dir ist
ist Leben immer auch sich selbst vergeben,
Annehmen im Weinen
und im Lachen

Am Ende ist das was vergeht
auch das was endlich dich befreit,
dich ausflicht aus dem Rad der Zeit,
denn du bist selbst die Flamme in der Dunkelheit
und dieser Saum war immer nur der Saum an deinem Seelenkleid
das dich wie Hoffnung kleidet
in das du gleitest
von Ewigkeit zu Ewigkeit
sich immer ähnlich doch nie gleich
und dass dich weitet
weiter weitet
wie ein Atem holen
weit
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Kommentare (1)

Donna ·
Lieber @Dionysos von Enno,
Wow!
Ich kann es nur so beschrieben----Du nimmst den Leser an die Hand und wir sehen, hören, und fühlen uns ins Geschehen hinein.
Oder, so wie in diesem Gedicht bin ich mit Haut, Haaren und Seele sanft reingefallen.
Du berührst Herzen lieber Dio mit deiner Zauberlyrik.
Mein Punkt schon bei der ersten Strophe bekommen. 😊
Liebe Grüße, Donna

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