Herzlichen Dank liebe Pegasus.
Ich versuche, an meinen Gefühlen zu arbeiten, um nicht in die Falle der Eifersucht, zum Beispiel, zu tappen. Das geschieht leicht, wenn man anfängt, sich vorzustellen, wie sie mit dem anderen Liebe macht. Wenn man als eifersüchtiger Mann an sie, an die beiden denkt, stell er sich sie als permanent Liebe machend vor. Dabei sind sie vielleicht gerade damit beschäftigt, Fenster zu putzen, zum Beispiel. Oder sie sagt gerade dem anderen, der dabei ist, große Töpfe zu spülen (sie hasst das) dass ich das viel besser, gründlicher gemacht habe.
Außer in den ersten Tagen, vielleicht Wochen, spielt Sex eine immer geringere Rolle, es wird langsam zur Routine, zu etwas, dass man am Wochenende macht. Wie dem auch sei, von 24 Stunden werden sie vielleicht höchstens zwei mit Schmusen und Liebe machen verbringen. Kein Grund also, 24 Stunden lang eifersüchtig zu sein.
Und dann, muss man unbedingt den anderen hassen? Er macht doch die Frau, die du immer noch liebst, doch nur glücklich. Ich meine, nicht nur im Bett sondern indem er ihr viele Wünsche erfüllt, ihr gleich einen neuen Wagen, das Modell, von dem sie träumte, kauft. Den hässlichen, sperrigen Schrank im Wohnzimmer gleich in den Keller bringt, etc.
Anders als ich, der nur lesen und lernen will, will er ständig raus, in die Natur, Leute besuchen, schwimmen gehen, tanzen gehen: Alles, im Grunde, wogegen ich, den Büchern zuliebe, mich gesträubt habe. Sie hat nie verstanden, warum ich Russisch lerne. Sie ist sehr praktisch veranlagt, alles, was nicht gleich ins Geld verwandelt werden kann, ist verlorene Mühe. Und er denkt genau wie sie. Summa summarum: Er passt besser zu ihr.
Wenn ich mich selbst nicht als Zentrum des Universums ansehe und, quasi als ein dritter Beobachter alles betrachte, hat sie genau das Richtige getan.
Im gewissen Sinne hat dieser Mann sie gerettet, und so will ich ihn sehen: Als der Retter der Frau die ich, jetzt nur aus der Distanz, immer noch liebe.
Was glaubst du, schreibe ich dies oder mein "lyrisches Ich"?