Feedback jeder Art Abendlied

Hier gelten keine Vorgaben mit Ausnahme der allgemeinen Forenregeln.
  • Dionysos von Enno
    letzte Antwort
  • 2
    Antworten
  • 223
    Aufrufe
  • Teilnehmer
Registriert
17.05.21
Beiträge
2.167
 
Vaters Hand auf den Gedichten.
Als wenn er sie beschützen müsse.
Wer weiß, wovon sie ihm berichten,
der er so selig in dem Sessel ruht.
Von Omas warmen Feenküssen.
Von Jesus, angelehnt, mit staubig schweren Füßen.
Oder von Wallenstein. Und Männern
ohne Mut.
 
Oder schaut er Malte Laurids Brigge
Der einen Liebesbrief zerpflückt
auf einer Brücke:
 
Wo hat sie sich versteckt, die Liebe
 
Vielleicht hinter den flatternden Lidern.
In den leichten Seufzern zwischen seinen Atemzügen.
Irgendwo in diesen alten, müden Gliedern,
den dunklen Pflügen über seinen Lippen,
die niemals einen Fluch erwidern.
Dem träumerischen Wippen
zu Schuberts schönsten
Abendliedern
Und den Lügen:
 
Die Welt braucht keine Helden
 
Die Hand ruht so auf den Gedichten,
als wollte er sie noch im Schlaf behüten.
So wie sie Eins sind, er und die Geschichten, 
so wünschte ich,  so fänden mich die Mythen,
wenn meine Hand ins Leere greift.
 
Autorin
Registriert
08.01.20
Beiträge
709
hallo dionysos,
 
das LI ist ein guter, nein, ein exzellenter beobachter. wie genau es den vater wahrnimmt, in seinen kleinsten regungen und seufzern bis hin zu den vermuteten gedanken oder träumen. und wie schön das LI hier sein wissen über den vater nutzt, um die möglichkeiten dieser gedankenwelt einzugrenzen - und so teilhaben zu können oder besser noch, es gleich zu tun und mitzuträumen. es liegt verehrung in dieser beschreibung und eine fast greifbare sehnsucht. aber auch wenn man meint, sein gegenüber sehr gut zu kennen, sind gedanken und träume eben nicht einsehbar. und so fasst am ende ernüchternd, aber folgerichtig die hand des LI ins leere auf der suche nach der wahrheit, den großen gedanken und geschichten, die der vater bereits in sich trägt.
 
mal wieder ein grandioses gedicht!
 
liebe grüße
sofakatze
 
Registriert
17.05.21
Beiträge
2.167
und so fasst am ende ernüchternd, aber folgerichtig die hand des LI ins leere auf der suche nach der wahrheit, den großen gedanken und geschichten, die der vater bereits in sich trägt.
 
Vielen Dank, liebe SK, für deinen so interessanten und wohlformulierten Blick auf den Text, die profunde Durchdringung und das Teilen des Nachklangs, den er in dir gefunden hat.. Merci ! 
 
mes compliments

Dio 
 
  • Dionysos von Enno
    letzte Antwort
  • 2
    Antworten
  • 223
    Aufrufe
  • Teilnehmer

Empfohlene Themen

Beliebte Themen

Oben