Hallo Perry,
ich finde dein Gedicht in puncto Klang / Wortwahl und Form durchaus gut gelungen. Es lässt in mir zunächst ein Gefühl von Sehnsucht und Fernweh aufkommen. Dennoch habe ich gespürt, dass etwas für mich reibt, gedanklich nicht wirklich zusammenpasst. Nach mehrfachem Lesen und Studium der Kommentare glaube ich, dass Du zwei ganz verschiedene - gegenläufige - Motive des Unterwegsseins vermischt hast, die sich in meinen Vorstellungen widersprechen.
Am Anfang herrscht für mich Fernweh, Abenteuer, Suche, Forschung (der Weg ins gelobte), jedenfalls ein gewolltes Unterwegssein. Dazu passt das Hoffen auf Atlantis Aufstieg.
Und dann in der 3. Strophe die Anspielung auf die Odyssee, den verzweifelten Wunsch nach hause zu kommen, Heimweh, Sehnsucht nach der Gattin (was immer das emotional für einen antiken Griechen bedeutet haben mag). Ein unfreiwilliges, von den Göttern erzwungenes Unterwegssein.
Und diese beiden Motivlagen gehen für mich stimmungsmäßig so gar nicht zusammen. Klar können in beiden Situationen die Reisenden glücklich über die Heimkehr sein. Aber für mich sind das zwei Geschichten, die nicht in denselben Handlungsstrang gehören. Ich glaube daran scheitert dein Gedicht im Moment inhaltlich. Ich denke, Du solltest dich für eine der beiden Geschichten entscheiden, um Konsistenz reinzubringen.
Dichtel hat das in der ersten Strophe seines Vorschlags ganz in diesem Sinne gebracht und das Suchmotiv durch ein Heimkehrmotiv ersetzt. Zu Atlantis in der 2. Strophe habe ich noch ein zwiespältiges Verhältnis. Hat nichts mit der Odyssee zu tun. Ein Bild mit Kirke, Scylla und Charibdis oder den Sirenen wäre passender, wenn Du mit der Heimkehr weiterarbeiten wolltest.
Willst Du auf die "Forschungsreise" hinaus, müsstest Du umgekehrt die Referenzen auf Ithaka/Odysseus streichen.
Soviel von mir.
LG
Ruedi