Liebe Enya,
für mich bist Du ein liebenswertes aufstrebendes Talent. Dich immer besser werden zu sehen, macht große Freude.
"Auf die Finger klopfen" - nee, das überlasse ich Pädagogen, die nicht so ganz von der Prügelstrafe Abstand nehmen wollen.
Eine Symphonie - wunderbare Idee, aber der Haufenreim bringt mir zu viele gleichlautende Töne und ein schöner Akkord kommt damit nicht zustande. Würde ich immer nur begeisterte Zustimmung von mir geben - wäre das hilfreich?
Mir haben Kritiken, und deren hat es genug gegeben, sehr viel mehr geholfen als reichlich unbegründete Jubelrufe.
Wenn es um Musik geht, fällt mir immer
"Die Musik kommt" von Detlev von Liliencron ein (natürlich klingt das Gedicht von ihm gespielt und gesungen besser, als der gelesene Text. Aber schau Dir doch mal die lautmalerischen Geniestreiche Liliencrons an (und - ich glaube, Hermann Prey singt es am besten, hör Dir die Musik an).
Klingling, bumbum und tschingdada,------------helle Töne und insgesamt drei "dunkle" Vokale
Zieht im Triumph der Perserschah?-------------nur ein dunkler Vokal
Und um die Ecke brausend brichts-------------zwei dunkle Vokale
Wie tubaton des Weltgerichts,------------------ein dunkler Vokal
Voran der Schellenträger.-----------------------nur helle Vokale
da hört man es klingen und schmettern und die wenigen dunklen Vokale lassen die Schellen noch heller klingen.
Brumbrum, das große Bombardon, -------------geschickter Einsatz von Alliterationen, die beiden Paarreime
Der Beckenschlag, das Helikon,----------------werden bei jeder Strophe mit einer Waise abgeschlossen
Die Piccolo, der Zinkenist,
Die Türkentrommel, der Flötist,
Und dann der Herre Hauptmann.
Der Hauptmann naht mit stolzem Sinn,
Die Schuppenketten unterm Kinn;
Die Schärpe schnürt den schlanken Leib,
Beim Zeus! das ist kein Zeitvertreib!
Und dann die Herren Leutnants.
Zwei Leutnants, rosenrot und braun,----------a
Die Fahne schützen sie als Zaun;-------------a
Die Fahne kommt den Hut nimm ab,----------b
Der bleiben treu wir bis ans Grab!------------b
Und dann die Grenadiere.--------------------c-----und so in allen Strophen: Reimschema, Lautmalerei, Alliteratiomnen
Der Grenadier im strammen Tritt,
In Schritt und Tritt und Tritt und Schritt,
Das stampft und dröhnt und klappt und flirrt,--- hier hört man es klirren und stampfen und die Wiederholungen
Laternenglas und Fenster klirrt.------------------betonen der Marschtritt des Orchesters
Und dann die kleinen Mädchen.
Die Mädchen alle, Kopf an Kopf,
Das Auge blau und blond der Zopf;
Aus Tür und Tor und Hof und aus
Schaut Mine, Trine, Stine aus.
Vorbei ist die Musike.
Klingling, tischingtsching und Paukenkrach,
Noch aus der Ferne tönt es schwach,
Ganz leise bumbumbumbum tsching;
Zog da ein bunter Schmetterling,
Tschingtsching, bum, um die Ecke?
Die vielen Binnenreime (Schritt und Tritt und Tritt und Schritt - schaut Mine, Trine, Stine) - da hat der Liliecron ein Meisterwerk der Lautmalerei mit hellen und dunklen Vokalen, mit Alliterationen und Binnenreimen hingezaubert - und ich hör mir jetzt über YouTube das Ding an.
Abschließend noch: Auf die Finger klopfen - das tut erstens weh und man kann keinen Bleistift mehr halten. Wenn ich meine seltenen Kritiken los lasse, dann nur, wenn das kritisierte Gedicht einer Kritik wert ist und meine Aktivität möchte ich viel lieber als ein "in den Sattel helfen", auf dass die Poetin oder der Poet auf Pegasus Rücken schneller zum Parnassos kommt.
In dioesem Sinne: Liebe Grüße!
Hayk
PS.
Ich möchte noch eine kleine Empfehlung dran hängen. Gib doch bei YouTube (neben "Die Musik kommt/Hermann Prey" mal folgendes ein: "Lyrik für Alle Folge 93 Detlev v. Liliencron 1. Teil", ein paar Gedichte rezitiert von Lutz Görner, den ich höchlichst verehre. Statt der Musik der gesprochene Text von ihm - ein Genuss!