Nur Kommentar Hommage für einen alten Apfelbaum

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Hommage für einen alten Apfelbaum

An steilem Hange harrte er schon lange aus,
geneigt, dem Wiesengrund entgegen.
 
Hinreichend Leben trug er in sich. 
Früh begannen mehr und mehr
Äste und Zweige sich zu regen,
strebten zur Höhe, dem Licht entgegen,
hielten dem Stamm das Gleichgewicht.

 
Jeden Frühling wuchs er 
in einem Kleide zartweißer Blütenblätter
zu einem Wundertraum von Apfelbaum,
entzückte  im Herbst mit Rotbackigen
voller Süße. Doch man beachtete ihn kaum.

 
Jetzt, im Herbst, nach Jahrzehnten ragen
seine verdorrten, vermoosten, von Flechten
überzognen Glieder wie klagend in den Himmel.
Gebrochen, abgerissen mancher Ast, 
das Holz mit offenen Wunden.

 
Ringsum ein blätterfarbiger Ehrenteppich
für ein Leben des Wachsens und Gedeihens,
des Widerstandes wie des Überwindens

von Hindernissen, auch des Verzeihens.
 
Nun wartet er auf seine letzte Stunde,
wenn ein machtvolle Sturm 
ihn samt Wurzeln aus seinem Erdreich reißt.

 
Braucht es mehr, um Leben zu verstehen?
 
                („Carolus“ in „poeten.de“)
 
 
Autorin
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Lieber @Carolus
in deinem wunderschönen Gedicht malst du mit Worten ein klares Bild, welches ich genau vor mir sehe. Das Wachsen, Werden und Vergehen hast du sehr schön beschrieben und ich ziehe meine persönlichen Schlüsse für mein Leben.
LG Rosa 🌹
 
ehemaliger Autor
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@Carolus Lieber Carolus, gleichen wir im Alter nicht alle diesem Apfelbaum? Aus der Traum. Leben wird weniger und weniger, bis es endet. LG Stephan
 
Autor
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Liebe Rosa, lieber Stephan,
 
habt herzlichen Dank für euere anregenden Beiträge für den altgedienten Apfelbaum.
 
Der Text läuft auf die Schlusszeile hinaus, auf die Frage "Was ist eigentlich Leben?" Und Letzteres ist als ein Prozess, ein schrittweises Hineinwachsen in "ein Leben des Wachsens und Gedeihens,
des Widerstandes wie des Überwindens von Hindernissen, auch des Verzeihens"
zu verstehen.

 Ich identifiziere bzw. vergleiche mich nicht mit dem Baum und seinem trostlosen Ende, eher meine ich, die nachlassenden körperlichen Kräfte und Qualitäten werden durch einen Zuwachs an Geistigem u.a. durch
neue Einsichten, Erfahrungen, durch Flexibilität und Wandelbarkeit ausgeglichen. In dieser Hinsicht ist jeder Fall andersartig, einmalig und nicht über den allgemeinen negativen Alterskamm zu scheren.
Das geht natürlich weit über das Leben eines Apfelbaums hinaus
 
Wünsche Euch wundervolle sonnenreiche Herbstfarben!
Carolus
 
 
Autorin
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Lieber Carolus,
der alte Apfelbaum hat das Leben auf den Punkt gebracht. Es beweist wieder einmal, dass Mensch und Natur zusammen gehören.
Gerne gelesen und sinniert.
LG Alter Wein / Mathi
 
 
  • Alter Wein
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