In Budapest

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Drängelndes Leben, Metro-Beben,
nette Nutten, Prozession von Kutten,
ein Drittel Verfall, aber Kabelkanal.
Ständiges Weben und natürlich daneben
geiles Zucken und prickelndes Jucken
im Großstadt-Wal der großen Zahl.
 
Wieder im Werden. Alles auf Erden
gibt es zu kaufen. Vögeln und saufen
sind gleich leicht. Jeder ist reich.
Touristen in Herden, deutsche Beschwerden,
Urlaubsmarathonlauf. Ungarn zuhauf
auf Charme geeicht und witzig weich.
 
Ein bisschen Schlitzohr’n, ein wenig verlor’n
im Devisenbringerstrom; doch ohne Hohn.
Liebevoll offen, vom Wechsel betroffen,
vielleicht so gebor’n, so ganz ohne Zorn?
Des Lebens Dom, der wahre Lohn
liegt hier im Hoffen – vom Alltag besoffen.
 
Meine Verbeugung, die Zuneigung
des Dichters, nicht des Richters
ist Dir, Stadt, sicher. Mein heimlicher
Dank und Verneigung gilt deiner Eignung
als so großer, schlichter, bunter und dichter
Stadt für Menschen.
 
(Sommer 1994)
 
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Hallo Ruedi,
 
ein sehr interessantes Gedicht mit ein wenig Witz und ein wenig Ernst, die am Ende die Stadt wahrhaft lebendig erscheinen lassen.
Ich mag auch die Struktur der Verse, wie du ein jeden durch die Inreime trennst und doch verbindest. Liest man leider nicht all zu oft... ich das Gedicht dafür umso lieber.
 
LG Mesochris
 
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Hallo mesochris,
 
danke für dein Interesse und das freundliche Feedback..
LG
 
Ruedi
 
Autorin
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Hallo, Ruedi,
 
hochinteressantes Reimschema. Halte ich als Anfang einfach einmal vorab fest.
 
Ich erlaube mir hier, ein bisschen rückzumelden, was die 'Technik' hier für eine Wirkung ausübt - in Verbindung mit dem Inhalt. Während du als Verfasser durch Budapest gehst - setzt der enthaltene Rhythmus auch mich als Leserin in Bewegung und nimmt mich mit.
 
Ich weiß nicht, ob es dir selbst bewusst aufgefallen ist, aber die 3. Strophe hat noch eine zusätzliche Besonderheit - ihre Vokalreime, in der Mitte und an den Versenden. Wenn ich dazu noch Wörter wie 'verlor'n, schlitzohr'n, gebor'n' mit dem letzten Wort der Strophe verbinde - besoffen. Oder nicht doch eher 'trunken' von all den vielen Eindrücken? Das passt wirklich alles sehr gut zusammen. Und ich assoziiere frei: Ein O assziiere ich mit einem 'vor Staunen offenstehenden Mund'. So wirkt's auf mich.
[QUOTE='Ruedi]Stadt für Menschen.
[/QUOTE]Ich selbst war leider nie in Budapest, kenne diese Stadt also nicht persönlich. Aber immerhin kann ich mir, dank der ausdrucksstarken Bilder deines 'Reiseberichts', zumindest eine Vorstellung von ihr machen. Ein sehr schönes Schlusswort - Stadt für Menschen. Nach der 'Stadtbesichtigung' hast du mir damit auch noch ein Souvenir geschenkt - einen lächelnden Augenblick. Danke dafür! ^^  
LG,
 
Anonyma
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@Anonyma,
 
vielen lieben Dank für das freundliche Feedback. Ich schreibe ja häufig "nach Gehör", stelle mir also vor, wie etwas laut ausgesprochen klingt. Und manchmal entsteht dabei so ein Rhythmus, der dich ein Stück weit auch durch deinen eigenen Text, deine eigenen Gedanken trägt. Dabei bemühe ich mich überhaupt nicht um ein bestimmtes Versmaß.
 
Kleiner Hinweis: Der Besuch in Budapest und die Niederschrift fanden beide im August 1994 statt. Das war noch verhältnismäßig kurz nach dem Zusammenbruch des Ostblocks und der Geist des Aufbruchs war noch nicht ganz verweht. Keine Ahnung, wie die Stadt sich seither verändert hat.
 
LG
 
Ruedi
 
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[QUOTE='Ruedi]Keine Ahnung, wie die Stadt sich seither verändert hat.
[/QUOTE]Hallo nochmal, 
das ist - jetzt rein auf dein Gedicht bezogen - auch nicht wichtig. Jedenfalls konnte ich dank dir dem Budapest des Jahres 1994 einen Besuch abstatten. ^^
 
Was den Rhythmus betrifft: Dann hast du auf jeden Fall ein gutes Rhythmusgefühl.
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LG,
 
Anonyma
 
Autor
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Hallo Rudi,
 
Ich kenne Buda & Pest 🙂 Zu einem späteren Zeitpunkt,
es ist wunderbar beschrieben und schon noch aktuel.
Diese Art Reim, habe ich selten gesehen.
 
Es lohnt sich, immer Texte laut zu lesen.
 
Vielen Dank für den Takt.
 
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