Feedback jeder Art Nachkriegszeit

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Es ist ein Jeep der Amerikaner, wie sie 1945 – vor dem Wechsel zur französischen Besatzungsmacht – oft und nicht zu langsam unterwegs sind. Wegen des rasch  eingeleiteten Bremsmanövers werde ich zwar nicht   überfahren, aber niedergestoßen. Der junge amerikanische Soldat ist äußerst betroffen, nimmt mich auf seine Arme und trägt mich zu unserem Haus. Ich bin  bewusstlos,  wache dann aber auf und beginne wie wild zu schreien. Daraufhin taucht meine aufgeregte Mutter auf und läuft uns entgegen. Sie sieht, dass ich aus einer Kopfwunde blute, reißt mich an sich und beginnt  ihrerseits zu weinen und zu schreien.
Der Jeepfahrer bietet meiner Mutter an, uns beide zum amerikanischen Militärspital im zirka 15 km entfernten Umhausen zu bringen. Sie nimmt die Kartoffeln vom Herd, die Schürze vom Leib und begleitet mich im Jeep zum Stützpunkt der amerikanischen Besatzungsmacht in deren Militärspital. Da jetzt überhaupt keine Kampfhandlungen mehr stattfinden, ist der Militärarzt sofort zur Stelle, um sich meiner anzunehmen. Er untersucht mich gründlich und lässt meiner Mutter durch den Dolmetsch sagen, dass ich eine Gehirnerschütterung  hätte, diese aber keineswegs lebensbedrohlich wäre. Fachkundig versorgt er die Platzwunde auf meinem Kopf und lässt meiner Mutter die Verhaltensmaßregeln für meine baldige Genesung übermitteln: „Silence and sleep!” (Ruhe und Schlaf!) Bei der Nachuntersuchung beruhigt der Arzt meine Mutter mit viel Geschick und sagt ihr, die kleine Delle auf meinem Kopf würde mir zwar bleiben, hätte aber, zugezogen im Kindesalter, überhaupt keine  Folgewirkungen. Sie glaubt es ihm vertrauensselig und macht sich offensichtlich keine Sorgen.
Tretauto_300.jpeg
 
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Hallo Egon, 
dein lyrisches Ich hatte Glück im Unglück, nicht wahr? 
Wirklich kurze Geschichte begeistern mich. 
Liebe Grüße von 
Carlos
 
 
 
 
 
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Ja, in der Kürze liegt oft die Würze. Künftige Frequenz bringt's dann an die Grenz.
 
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Borges, wohl einer der bekanntesten Schriftsteller unserer Zeit, hat, außer Gedichten und kurzen Essays, nur kurze Erzählungen geschrieben. 
Das Foto von deinem Jeep hat das Lenkrad auf der rechten Seite...
 
 
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Zum zweiten Thema: Wir in Österreich fahren auf der Straße rechts und haben im Auto das Lenkrad links. Es gibt aber auch Länder, in denen es anders ist. In Großbritannien zum Beispiel ist das Lenkrad rechts, dafür fahren die Menschen links. Alles ist genau andersherum. Länder der EU dürfen nicht vorschreiben, wohin das Lenkrad gehört.
Also auch in der amerikanischen Besatzungszone durfte 'englisch' gefahren werden.
 
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Ursprünglich hatten die Autos das Lenkrad in der Mitte. 
 
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Nun hoffe ich mal, die kleine Delle hat keine Nachteile auf Dauer hinterlassen?  Immerhin klappt es ja mit dem Schreiben ✍  
Liebe Grüße Ilona 
 
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Liebe Ilona, wenn Du Geduld hast, erfähst Du alles.
Liebe Grüße
Egon
 
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Aber aber lieber Egon, du willst mir aber jetzt nicht glaubhaft machen, dass du doch tatsächlich noch in diesen Jeep hieneinpasst....nein nein, das kann ich mir so nicht vorstellen
Liebe Grüße zu dir,
Uschi
 
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Lieber Egon
deine Geschichte ist sehr schön zu lesen und hat mir sehr gut gefallen. Der letzte Satz ließ mich noch einmal aufhorchen!
 
Sie glaubt es ihm vertrauensselig und macht sich offensichtlich keine Sorgen.
 
Darüber habe ich noch etwas nachgedacht, es stellte sich mir die Frage. War denn nun wirklich alles gut. Oder gab es noch spät folgen. Ich hoffe nicht!
LG Josina
 
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Liebe Josina!
 
ad 1) ein amerikanischer Arzt ist doch eine Autorität
ad 2) noch einen Tag Geduld, es geht weiter.
Liebe Grüße
Egon
 
  • Egon Biechl
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