Ist es nicht schade, dass die zarte, poetische Seite beim Mann, so er sie denn hat, allgemein als Schwäche abgetan wird? Mann kann auch beides sein - dichterisch und handwerklich begabt, obwohl das wahrscheinlich eher die Ausnahme ist. In einem Land, das sich gerne immer noch als das Land der Dichter und Denker bezeichnet, wäre es doch begrüssenswert, wenn die Literatur und Lyrik, Kunst und Philosophie einen höheren Stellenwert einnehmen würden. Aber damit kann man wohl nicht so richtig punkten bei einer Gesellschaft, die sich mehr für Fussball interessiert.(womit ich niemandem auf den Fuss treten möchte!).
Die Prioritäten sind ganz klar verteilt.
Anders verhält es sich in dem Land, in dem ich seit fast vierzig Jahren wohne. Es gibt eine lange Tradition von Dichtern, wenn auch weniger als in Deutschland, die sehr in Ehren gehalten wird, gerade auch von Männern. Sicher ist das Land eher bekannt dafür, dass man ein "macho" sein muss, um anerkannt zu sein, jedoch schliesst das eine das andere nicht aus.
Die jungen Dichter versuchen sich heutzutage lieber an Liedtexten und einige finden in der Rap-Kultur ihr Zuhause, wogegen nichts einzuwenden ist. Das ist ein weltweit zu beobachtendes Phänomen. Auch die Dichtkunst unterliegt dem zeitlichen Wandel und das muss auch so sein, wenn man die Poesie als Spiegel der eigenen Existenz im Dialog mit der uns umgebenden Welt versteht.
Es gäbe noch sehr viel zu sagen zu diesem interessanten Thema, aber ich will es hierbei bewenden lassen. All denen, die sich hier einfinden um ihre Werke einer breiteren Öffentlichkeit vorzustellen, wünsche ich, dass sie diese Liebe zur Poesie weiterhin pflegen, ungeachtet dessen, ob sie damit Erfolg haben oder nicht. Es geht nicht um den Erfolg. Es geht darum, einen Weg gefunden zu haben, sich mitzuteilen, Gedanken und Gefühle ausdrücken zu können und verstanden zu werden.
Das ist ein universelles Bedürfnis, von Männern und Frauen.