Feedback jeder Art Verbrannt

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  • monalisa
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Autor
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01.10.21
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157
Verbrannt
 
Wann war ich je mehr als dieser kleine Junge
der ins Tal hinab durch Wälder rannte
knorrige Wermutstöckchen zu sammeln
aus denen willkürlich geworfen
eine märchenhafte Zukunft zu lesen war
mit dem Zopfmädchen an seiner Seite
 
Später verbrannten wir vertrocknete Sträucher
da waren wir schon groß ihr Haar offen
eine Fee mit glühenden Wangen beim Feuer
erzählten einander Es war einmal
und es ist schön am Berg gewesen
soviel noch ungelebt und möglich
 
Die Senke ist gerodet für Pfeiler aus Stahl
eine andere Zukunft eine andere Fee
blieb meiner wunden Kehle gnädig
und was brennt sind keine Feuer
nur der Trester im strauchelnden Hirn
immer weniger wird alles und weiter entfernt
 
Autorin
Registriert
20.03.21
Beiträge
1.162
Lieber Marcel,
 
krasser kann der Gegensatz nicht sein. Sehr schön beschreibst du die Kinder- und Jugendjahre im nahen Wald mit dem "Zopfmädchen" - man kann sich gut hineindenken!
 
In der letzten Strophe fällt die Stimmung jäh ab: Der Trester brennt in der Kehle, das Mädchen von früher ist weg, Industrie macht sich im Tal breit.
 
immer weniger wird alles und weiter entfernt
 
Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit in einer offenen Zeile. -
 
Sehr gerne gelesen, danke!
 
LG Nesselröschen
 
Autor
Registriert
20.09.19
Beiträge
5.477
Hallo Marcel, 
mit großem Vergnügen habe ich eben dein Gedicht gelesen.
Einfühlsame, intelligente Leser können nur begeistert sein. 
 
"Eine Fee mit glühenden Wangen beim Feuer"
 
Diese Szene, diese Erinnerung gibst du uns weiter. 
Augenblicke, die ewig sind. 
 
 
Autorin
Registriert
02.04.22
Beiträge
40
Hallo Marcel,
deine Bildwelt hat mich eingefangen und so bin ich mit dem Jungen übermütig mitgerannt, habe mit ihm unbefangen die Wälder durchstreift und von einer "rosigen" Zukunft geträumt, bin mit auf den Berg gestiegen, am Feuer leidenschaftlicher Jugendliebe gesessen und schließlich in ernüchterte Erwachsenenwelt getaucht, mitgealtert und leider miterlebt,wie "alles weniger wird", vor allem das "jugendliche Feuer" der Begeisterung, unbekümmerten Lebensmutes, optimistischer Hoffnungen scheinen irgendwo auf der Strecke geblieben. "Hat LI aber nicht auch einiges dazugewonnen, das einen zweiten Blick wert wäre?", frage ich mich als Leserin in meinem eigenen Leben ... und knüpfe an und denke weiter und rücke meine fernen Bilder zurecht.
Das ist doch eines vom Besten, das ein Gedicht erreichen kann !
 
Liebe Grüße
mona
 
  • monalisa
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