Hallo David,
das Gedicht und Deine Geschichte dazu erinnert mich stark an eine Passage in Fräulein Smillas Gespür für Schnee, in der das menschliche Leben mit unserem Zahlensystem verglichen wird. Darin werden der Kindheit die natürlichen Zahlen, also die Ganzen und Positiven, zugeordnet. Das Kind kennt nicht die Frage nach Endlichkeit oder Unendlichkeit, sie hat für es auch keine Bedeutung, die Kinderwelt ist noch schön und vollkommen, geordnet. Allerdings nur so lange, bis das Kind die Endlichkeit der ganzen Zahlen und damit die Sehnsucht, entdeckt. Das sind die negativen Zahlen. (Es geht dann noch weiter: Mit der Jugend kommen die Bruchzahlen hinzu, da man sich nicht mehr mit Vollendetem zufrieden gibt, man hinterfrägt alles - Ganze und Bruchzahlen sind zusammen dann die rationalen Zahlen. Doch das Bewusstsein will den Verstand überschreiten und drängt in die Unendlichkeit hinaus: Die irrationalen Zahlen, insgesamt jetzt die reellen Zahlen. Aber die Sehnsucht hört nie auf, es kommen noch die imaginären Zahlen hinzu: Das, was das Bewusstsein nicht begreifen kann.)
...zielmlich viele Worte, aber um es auf den Punkt zu bringen: Ich finde, Dein Gedicht beschreibt sehr schön, wie die Kindheit mit der Sehnsucht Bekanntschaft macht.
LG, Hase