Feedback jeder Art Novemberhimmel

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Der Herbst liegt in den letzten Zügen,
der matte Schein kann nicht mehr trügen.
Ich steh gebückt am Gartenteich,
um hier in meinem kleinen Reich
den letzten Löwenzahn zu jäten.
Da tönt vom Himmel ein Trompeten,
 
ein Bronzeklang, metallen knarrend.
Ich frage mich, gebannt verharrend
auf meinem frisch gemähten Rasen:
Wird heute zum Gericht geblasen?
Soll diese Sinfonie verkünden
der Welt das Ende ihrer Sünden?
 
Schon irrt am Firmament mein Blick,
versteift sich schmerzend das Genick.
Durch schmutzig graue Wolken bricht
ein Strahl von bernsteingelbem Licht.
Verdeckt wird jener Riss am Himmel
sogleich von schwärzlichem Gewimmel.
 
Ich atme auf: Ein Fehlalarm.
Dort ziehen Kraniche im Schwarm.
Zum Keil formiert (die Spitze hängend),
in wärmere Gefilde drängend,
so reisen sie auf nimmermüden,
erprobten Schwingen gegen Süden.
 
Bald wird gedämpfter ihr Geschrei,
der Äther wieder stumpf wie Blei.
Der Quell des Lichts ist ausgeflossen,
der Wolkenmantel dicht geschlossen.
Den hellen Spalt hat, kaum erspäht,
der Wind schon wieder zugenäht.
 
Von ferne trägt er an mein Ohr
der stolzen Himmelsboten Chor,
verklingend wie Gesang der Engel.
Des Löwenzahnes letzten Stängel,
den ich soeben angesehen -
ich geh ins Haus und lass ihn stehen.
 
 
Autor
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Lieber @Cornelius
 
Einfach schön! Toll geschrieben mit schönen Bildern der Natur - dunkle Wolken, heller Schein, Kraniche im Flug nach Süden. Und dann noch der Löwenzahn im frisch gemähten Gartengrün. 
 
LG Teddybär 
 
Autorin
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08.01.20
Beiträge
709
hallo cornelius,
 
hier ist es dir (mal wieder) gelungen, ein gedicht zu schreiben, welches zugleich melancholisch und lustig ist, tiefsinnig und trotzdem mit einer leichtigkeit daherkommt, die mich sofort angesprochen hat.
vordergründig eine naturbeobachtung, sehr schön bebildert. humorig der teil, als das LI die kranichrufe fehldeutet. so knapp dem ende entronnen, scheint es nur logisch, den löwenzahn, der anfang und ende des gedichtes wunderbar einrahmt, nicht zu jäten. leben und leben lassen scheint hier die tiefere weisheit zu sein oder vielleicht auch, wie schnell man erkennt, was wirklich wichtig ist im leben, wenn man sich mit dessen ende konfrontiert sieht.
 
besonders hervorheben möchte ich diese zeilen:
 
Den hellen Spalt hat, kaum erspäht,


der Wind schon wieder zugenäht.
 
einfach wunderschön poetisch! auch ich habe mal in einem gedicht den wind nähen lassen, aber so stimmig wie bei deinem vers war meiner leider nicht geraten. 
 
liebe grüße
sofakatze
 
Autorin
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13.05.23
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Hallo @Cornelius,
 
eine wunder, wunderschöne Szenerie der Natur hast du beschrieben in die sich jeder Leser einfühlen kann.
 
 
MfG
Monolth
 
 
Autor
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23.08.08
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6.491
Hallo Cornelius,
die Natur schenkt uns viele solche Bilder wie das der "ziehenden Kraniche", wir müssen nur die Sinne öffnen und uns dem Zauber von Flora und Fauna hingeben. Ich finde auch, dass Dir hier der Bogen vom Naturerlebnis zur Mystik des
Lebens, geschmückt mit eine Prise Humor sehr gut gelungen ist.
LG
Perry
 
  • Perry
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