Hallo Sonja,
es ist ein von außen betrachtet seltsames Paradox, aber es ist tatsächlich möglich, sich in die Mattigkeit der Depression zu verlieben. Die taube Hülle, durch die alles gleichgültiger wird, wo weniger Schmerz an einem rührt und das eigene Leben sowieso nur durch den Tag geschleppt wird. Hinüber gerettet auf die andere Seite, aber ohne Bedeutung, ob man ankommt, oder nicht.
Ob der Verlust dann tatsächlich bewusst wäre? Ich bin mir da nicht so sicher. Das eigene Leben herzugeben scheint dann weniger wie etwas, das man verliert, sondern mehr wie etwas, von dem man sich endlich befreit...
Und in alledem scheint es tatsächlich notwendig, ja zwingend, dass die Schatten "sich ergießen" müssen.
Du bringst aber auch das Licht ins Spiel. Und in diesem Zusammenhang würde ich es so deuten, dass dies Licht ein Erkennen symbolisiert. Das wäre evt. der bewusste Verlust. Da in dem Moment des Gehens das Dunkle wieder hell wird und der Mensch versteht, das Leben mit neuen Augen sieht, ohne Schatten die jede Sicht verschleiern. Und dann ist es zu spät noch umzukehren.
Ich würde das allerdings als falsche Annahme sehen, wobei ich nur von mir sprechen kann. Dass im Moment des Gehens alles plötzlich wieder leicht wird, etwas wie Reue über die Entscheidung keimt.. ich bezweifel das. Vielleicht ist das bei einigen tatsächlich so, mir wäre das neu. Aber ich erlaube mir da auch kein generelles Urteil!
Es ist vielleicht eine tröstende Vorstellung für Außenstehende, dass die Schatten nicht das Wahre zeigten und der/die Betroffene letztlich dieses Wahre wieder sehen konnte. Die Dinge zu benennen, sie "Schatten" und "Krankheit" zu nennen, die jemand lieben lernt weil darin Geborgenheit lockt.. macht es vielleicht erträglicher.
Diese Schreibart kurzer Reime die sich aneinander zu heften scheinen, mag ich gerne lesen. Darin werden die Bilder stärker, eindrücklicher. Auch wenn ich inhaltlich hier vielleicht nicht allem zustimmen mag.. Depression ist ein großes Thema und betrifft so viele Menschen, wird aber nur wenig ohne Tabus thematisiert. Insofern freut es mich, dass du hier wichtige Eindrücke festhältst und vermittelst, Menschen zum Nachdenken anregst! Danke dafür..
Liebe Grüße, Lichtsammlerin