Feedback jeder Art Anfang der 70er Jahre

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warst du noch nicht auf der Welt 
sah ich den 
lautlos fallenden
Schnee 
 
Wo? 
 
Langsam, im Schnecken Tempo.
 
Ich musste über eine Stunde 
nach Sachsenhausen
laufen 
mitten in der Nacht
 
Dort wartete 
in einem verschneiten Käfer
Ospina,
der Kolumbianer,
der vielleicht in  
Vietnam 
umgekommen ist.
 
 
Autorin
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lieber Carlos,
 
das Gedicht hat mir einen schrecklichen Ausflug in das KZ Sachsenhausen beschert -
und mir einen Aspekt der Nazischergen offenbart,
den ich noch nicht kannte.
Näher möchte ich nicht darauf eingehen -
es war ein Puzzleteilchen, das mir fehlt
und das mich zutiefst erschüttert hat.
 
Dein Gedicht handelt - an der Oberfläche - von einem Ausflug nur .

Und vielleicht ist es auch nur ein solcher.
 
Für mich spricht es von tiefen Abgründen,
von Wahrscheinlichkeiten, Möglichkeiten, Wahrheiten,
die besser nicht geschehen wären.
 
Ich danke Dir sehr für das Puzzleteilchen,  das ich durch Dein sehr rätselhaftes Gedicht erhalten habe.
 
lG Sternenherz
 
ps: Die Schecken brauchen vllt. ein "n" 🙂
 
 
 
Autor
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Lieber Carlos, sehr eindrücklich Deine Bilder aus einer Ära, die meine Kindheit prägte.
Frage: Soll es wirklich Schecken Tempo heißen, da es sich auf ein scheckiges Muster bezieht?
Gern gelesen. Herzlichst Elmar
 
Autor
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Hallo Carlos,
berührende Zeilen.
Du gebrauchst in Bezug auf Ospina den Konjunktiv und da wünsche ich Dir, mögest Du auch noch nach so vielen Jahren, Nachricht über seinen Verbleib erhalten. Herberts Vergleich des Schnees mit dem Stoff dieser Zeit und nicht nur dieser, läßt mich wehmütig werden und an all die Großen denken, die, wie sagt man doch so entsetzlich lapidar, vor ihrer Zeit gingen. Dir einen schönen Tag. Kurt
 
Autor
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20.09.19
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Liebe Freunde, 
ich bin total überrascht von so vielen, positiven Reaktionen auf meine Zeilen. Und total erstaunt über die Assoziationen, die sie haben bei euch entstehen lassen.
Es wäre nicht korrekt, so zu tun, als ob ich was Großartiges geschrieben hätte, so sage ich euch schlicht, worum es sich handelt: 
 
Ich jobbte damals in der Bar eines Studentenwohnheims im Hausen, einem Stadtteil Frankfurts. Erst nach Mitternacht war ich mit der Arbeit fertig und bin nach Hause, zu meiner Mansarde Wohnung im Sachsenhausen, gelaufen. 
Zwei oder drei Wochen davor hatte mir Ospina, ein Freund von mir aus meiner Heimat, der mit seinen Eltern nach New York ausgewandert war, einen Brief geschrieben. Er war in die Army gegangen und, zufällig, sollte er nach Deutschland geschickt werden, ich habe vergessen, wohin. 
Als ich vor dem Haus Stand, in dessen Mansarde ich wohnte, sah ich einen Zettel neben meinem Briefkasten, von Ospina, "Wir sind in dem roten Käfer in dieser Straße". Ich habe danach gesucht, die Farbe konnte man wegen dem Schnee nicht sehen, bald aber fand ich sie, meinen Freund Ospina und einen anderen Rekruten. 
Er blieb nicht lange in Deutschland, ein oder zweimal hat er noch geschrieben. Er hatte Angst, dass sie ihn nach Vietnam schicken. 
Seitdem habe ich nie wieder was von ihm gehört. 
Gestern erinnerte ich mich daran, an den Schnee, wodurch die Autos sehr langsam fuhren. 
Es tut mir fast Leid so tiefsinnige Kommentare durch meine kleine Erinnerung inspiriert zu haben.
Den Fehler habe ich korrigiert, danke Elmar. 
 
🐁
 
Autor
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Hallo Carlos,
manchmal hat es auch sein "Nachdenkliches", wenn ein Text etwas verwirrt. 😉
Ich wollte erst gar nicht weiterlesen, da ich ja bereits in den 50igern geboren wurde, aber da ich deine Art zu schreiben schon etwas kenne, bin ich dann doch mit durch die Schneenacht "geschneckt."
Was den verschneiten Käfer und Ospina anbelangt kam mir dann auch etwas "Vernebelndes" in den Sinn. 😵
LG
Perry
 
Autor
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20.09.19
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Vielen Dank Perry für deine Rückmeldung.
Tja, damals war dieser Drogenhandel Mist noch kein Thema. Auf jeden Fall nicht in den heutigen Maßen. 
Es ist wirklich interessant, welche verschiedene  Assoziationen ein lyrischer Text hervorrufen kann. 
Jeder von uns sieht die gleiche Welt mit anderen Augen. 
Einen angenehmen Abend und eine erholsame Nacht wünsche ich dir. 
 
🐘
 
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