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      Das Gefäß

Einmal geformt, geboren
auf des Schöpfers Scheibe,
unterworfen dem Zufall
wie der Hinfälligkeit,
bewahrt es seine Inhalte
bis zum Augenblick des Zerbrechens.

 
Ständig neu gefüllt,
widerstehend dem Druck
von innen wie außen,
versucht es, Entnehmen 
und Beladen auszugleichen.
Kaum bemerkbar der Zahn der Zeit.

 
Haarfeine Risse in ermüdeter Ummantelung.
Heraus rinnt Vergängliches:
Süßes wie Bitteres in sinnbehafteter 
Sinnlosigkeit, bis die Stunde 
seines Zerbrechen gekommen.

 
Der Rest, ein Häuflein nutzloser Scherben,
wird nicht ohne Empfinden "entsorgt". 

 
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Lieber Carolus,
 
das Gefäß, das du hier so schön beschreibst, scheint sehr menschliche Züge zu zeigen...
 
Gruß
Cornelius
 
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Lieber Cornelius,
 
 
Du liegst hier völlig richtig. Gemeint ist der Körper des Menschen, der materiell ähnlichen Bedingungen unterliegt. Der erste Hinweis liegt in der ersten Strophe "geformt, geboren auf des Schöpfers Scheibe".
Hier würde normalerweise der Leser das Substantiv "Töpfer" erwarten. Der Inhalt spricht vergleichend
zwei Ebenen an: die Realität des menschlichen Körpers wie die des Gefäßes. Körper als Gefäß der
Vergänglichkeit.
 
Wünsch Dir einen erholsamen Schlaf!
Lieben Gruß
Carolus
 
 
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Hallo @Carolus,
am Ende deiner schönen Parabel musste ich an die japanische Kunst des Kintsugi denken. Da werden Scherben mit einer Goldverbindung zusammengesetzt und so durch ihre Zerbrechlichkeit veredelt. Aber das wäre vielleicht der Stoff für ein anderes Gedicht. Dieses hier gefällt mir so, wie es ist.
Herzlichen Dank und VLG
Peter
 
  • Ponorist
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