Feedback jeder Art Der Gott der Stadt

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  • Claudi
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Am Abend sitzt er auf einem Penthouse-Dach
und zieht Benzingestank in seine Lungen.
Zornesrot vernimmt er den Straßenkrach,
wo früher sind  Glocken zahllos erklungen.
 
Er sehnt sich nach Gütern am Horizont
mit schwachen Menschen und kräftigen Tieren,
von den letzten glühenden Strahlen besonnt,
die hilflos sich im Dämmer verlieren.
 
Ihm scheinen wie Masken an den Fassaden
erahnte Gesichter im Rauch auf Balkonen.
Und drunten die Narren, mit Tand nur beladen,
die sich verirren in Fußgängerzonen.
 
Ihm huldigt nicht einer. Nicht eine errötet.
Diese schleimige Masse ohne jeden Verstand
hat ihm Schmeicheleien ins Ohr geflötet,
bis sie sich gottlos in Freiheit befand.
 
Wütend springt er auf den höchsten der Türme
und gießt Vulkane aus dem nachtschwarzen Saum.
Doch selbst seine gefräßigsten Feuerstürme
erstickt eine Wehr mit Wasser und Schaum.
 
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Hi Marcel, 
habe jetz erstmal das Original wieder lesen müssen. Ok, deine Gegenüberstellung zum Original finde ich vom Gedanken her schon sehr gut. Ich würde den Titel ändern, weil das Original ja schon so heißt. Vielleicht fällt dir noch etwas ein das mehr wie dein Gedicht ist. Wolltest du hier ein bestimmtes Metrum einhalten? 
 
LG Alex 
 
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Hallo, Alexander,
 
Heyms Baal ist ja noch ein rachsüchtiger vernichtender Gott. Jetzt, mehr als hundert Jahre später, schwächelt er doch ziemlich.
Mit dem Titel wollte ich schon den Bezug zu Heym deutlich machen, um eine Gegenüberstellung der Gedichte anzuregen. Ich fürchte, ein anderer Titel würde das erschweren.
Ich habe versucht, einen störungsfreien Lesefluss sicherzustellen, doch das gelingt mir nicht immer. Insbesondere wenn ich reime. lese ich mir den Text immer wieder laut vor und merke dann natürlich, an welchen Stellen es hapert. Aber der Feinschliff dauert mitunter lange, und ich hatte die Hoffnung, die ein oder andere Anregung aus dem Forum zu erhalten.
 
Liebe Grüße,
Marcel
 
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Na das ist doch gut zu wissen. Ich setzte die erste Strophe mal ins Metrum. Ich nehme den Jambus. Hier wird jede zweite Silbe betont. (Ich hoffe Claudi sagt auch was dazu, die ist da Profi) 
 
Am Abend sitzt er auf dem Penthousedach
und zieht Benzingestank in seine Lungen. 
erzürnt vernimmt er lauten Straßenkrach
vermisst das Glockenspiel , das oft erklungen. 
 
Hier ist die Wortbetonung immer auf die zweite Silbe gelegt. Vielleicht hilft dir das, ließ es dir mal laut vor. Du hörst den Unterschied sicher. 
 
LG Alex 
 
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Hallo, Alexander,
 
hab Dank für Deinen Vorschlag. Das klingt gut. Ich habe es laut gelesen. Es liegt jetzt neben meiner Fassung. Nur mit dem Glockenspiel bin ich nicht ganz glücklich. Man soll doch schon an die vielen Glocken einer Großstadt denken.
 
Liebe Grüße, Marcel
 
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Hi Marcel, 
um das mit dem Glockenspiel auszufeilen fehlte mir die Zeit. Wichtig ist das du ein Beispiel hast. Noch ein Tipp: Schau mal ins Schulzimmer, hier im Forum, da kannst du einiges lernen und üben. 
 
LG Alex 
 
Teammitglied
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Hallo Marcel,
 
lass dir ruhig Zeit! Wenn du das Prinzip anwenden kannst, immer eine unbetonte mit einer betonten Silbe abzuwechseln und das eine Weile geübt hast, wirst du irgendwann automatisch im Metrum denken. Wenn ein Text bereits geschrieben ist, wird es schwierig, genau die gleiche Aussage ins Metrum zu setzen. Meist muss man da etwas großräumiger vorgehen und evtl. sogar auf andere Reime ausweichen.
 
Ich empfehle immer gerne, zunächst die Technik an irgendeinem Quatsch zu üben, bei dem der Sinngehalt nicht wichtig ist und völlig schmerzfrei geändert werden kann. Um längere Gedichte zu überarbeiten, würde ich ruhig eine Weile warten, bis du eine gewisse Routine entwickelt hast.
 
Kannst du denn heraushören, welche Silben in einem Text betont sind? Wenn ja, wirst du schnell reinkommen. Wenn nein, könnte es etwas länger dauern. Dann ist vielleicht diese Einführung hilfreich.
 
LG Claudi
 
  • Claudi
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