Ein Mann namens Gaby

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Ein Mann namens Gaby
 
 
Gut,
der Job war nichts für Warmduscher,
aber es war eine stickige Nacht.
Die Katzen schrien in den Gassen
und manche Seele
verirrte sich in den
dunklen Winkeln,
am Rande der Wahrnehmung.
 
Die Freier waren auch nicht mehr die jüngsten,
aber sie bezahlten gut.
Es reichte meistens
für ein gutes Essen
und einen Besuch im Kino.
Wenn was lief.
Oft sah er sich Filme an,
die ihm das Leben vergessen ließen.
Einfache Filme.
Dirty Dancing war so einer.
 
"Mein Baby gehört zu mir."
 
Aber nach der Vorstellung war es wieder einsam.
Niemand da,
an den er sich anlehnen konnte,
niemand, der seine Geschichte hören wollte.
 
"Da kommt Gaby.
Schönen guten Tag, der Herr."
 
Nichts hatte sich geändert seit letztem Jahr.
Die Haare waren länger,
die Brüste endlich gut geformt.
Die Anpassung verlief ohne Komplikationen.
Wenn man es rein medizinisch betrachtete,
war es geschafft.
Aber er war nicht medizinisch,
er war aus Gefühl,
aus Erwartung und Hoffnung.
 
Das letzte Date hatte er mit Erwin.
Erwin roch nach Schnaps und Lügen.
Und Brutalität.
Aber er war da.
Da, um für einen Moment
eine erniedrigte Frau zu sein.
Und das war besser,
als ein Mann ohne Träume.
 
"Und,
kannste dir schon was reinstecken lassen?"
 
Er weinte selten.
Nicht, weil er es nicht wollte,
sondern weil seine Tränen die Menschen anlockten,
wie verwesendes Fleisch die Fliegen.
Nur,
das die Fliegen nicht darüber nachdachten,
was der nächste Tag brachte.
 
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Hallo Gretas Traum!
 
Ein beachtliches Werk! Gratulation! Das ist Dir wirklich gut gelungen! Nur paßt es mir nicht recht in diese Kategorie, aber das ist ja nebensächlich.
Ich würde gerne mehr von Gaby erfahren. Gibt es eine Fortsetzung?
 
Viele Grüsse!
mystic
 
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Das passt ja gar nicht in unsere heile Welt;-) Allerdings ist die Perversion dessen genug Antrieb für deine Protagonisten.
 
LG RS
 
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Diese Rubrik heißt "Herzensangelegenheiten".
 
Und "Gaby" war eigentlich Ralf.
Jedenfalls nannte er sich so, bevor er dem Dilemma ein Ende setzte und sich nach Jahre selbstbestimmt zu seinem Tod entschloss.
Ich habe seinen Tod mitbekommen.
 
Auf seiner Beerdigung waren wir zu viert.
Sehr wenige sehende Menschen für ein Milliardenvolk.
 
Es wäre ihm eine Herzensangelegenheit gewesen, wenn man ihn beachtet hätte.
 
Nicht nur "Rosen" gehören in diese Rubrik.:|
 
Michael
 
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Nun ja, soweit ich weiß wird man lange psychologisch betreut bei einer Geschlechtsumwandlung. Da muß ja noch etwas anderes zerrüttet gewesen sein bzw. selber mit seiner Identität nicht wirklich klargekommen sein. Der Gesellschaft darf man da meiner Ansicht nicht nach nicht die "Schuld" geben. Die Selbstakzeptanz ist entscheidend.
 
mystic
 
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Was kann das alles machen, wenn eine Seele verkümmert, weil sie alleine bleibt.
 
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Wenn man sich in sich selbst nicht zurechtfindet, nützt Toleranz von Außen auch nichts.
 
mystic
 
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