Lieber Athmos,
Da hast du aber einen ziemlich großen "Gedankenfelsen" ins Wasser geworfen, an dem sich
schon eine Reihe von Philosophen und Wissenschaftlern, teilweise in bösem Streit, versucht
haben.
Vielleicht liegt es an meinem Alter, dass mir die Fragen nach dem Woher und Wohin
nicht mehr so wichtig sind.
Mein "grundloser Grund" wäre der Gedanke , dass die Natur, immer wieder neue Gestalten
und Entwicklungen schafft, die alle für sich den "Luxus des Lebendigen" zeigen, ohne jeweils
einem bestimmten Zweck oder Nutzgedanken zu folgen.
Lebendiges ist, wenn wir es auf uns wirken lassen und genau hinschauen, immer schön,
enorm vielfältig und interessant.
Am Ende entscheidet dann die Anpassung an das Umfeld oder die Lebenssituation, welche
Form oder Ausgestaltung dauerhaft bleibt oder sich weiterentwickeln muss, um in der
nächsten Generation weiterleben und existieren zu können.
Da jedes Kind , das neu gezeugt wird, aus einem fast unendlichen Fundus von
Variationsmöglichkeiten entsteht und damit immer einzigartig ist (auch wenn es vielleicht
in seiner Eigenart nicht immer den Erwartungen der Eltern entspricht) sollten wir es fördern
und lieben, damit sich das, was in ihm angelegt ist, sich optimal entfalten kann.
Was am Ende daraus wirklich wird, das haben die Eltern selbst ja nur begrenzt in der Hand
(Anlage , Erziehung, Partner, Zufall), sondern das gestaltet jedes Individuum in seiner
Entwicklung selbst.
Ein schönes Beispiel dafür waren für mich die Weltmeisterschaften der Behinderten in Berlin,
die gezeigt haben, dass diese Menschen liebenswert sind und positive Gefühle in
uns wecken, weil ihre Eigenart immer einen Reiz hat und sie Dinge beherrschen
(Spontaneität,Natürlichkeit,Lust an der Weiterentwicklung, Lebensfreude), die uns durch
die ständigen Fragen nach dem Warum und der Nützlichkeit verloren gegangen sind.
"Das Hier und Jetzt" braucht keine Begründung, sondern fordert uns auf, es anzunehmen,
es zu genießen und zu so zu gestalten, dass wir alle einen guten Platz in der Wirklichkeit
finden können. Wenn die Wissenschaft und die Philosophie ihre Kraft in das konkrete
Auflösen der Blockaden und positive Umgestalten der Wirklichkeit lenken würde, statt
ständig über Neuerungen nachzudenken, die häufig mehr Probleme schaffen, als lösen,
ließe sich vieles positiv veränderen.
Dank dir für deine interessanten Ausführungen, die meine Gedankenprozese dazu
angestoßen haben. Ein Kommentar von deiner Seite dazu ist natürlich auch erwünscht.
Liebe Grüße
Tobuma