Hallo Schmuddelkind,
wie schön für mich, etwas von dir zu lesen
Dein Gedicht gefällt mir sehr gut und ich habe tatsächlich nur zwei Punkte, die aus meiner Sicht kritikwürdig sind und nur einen Punkt, der tatsächlich falsch ist und behoben werden muss.
Kritikpunkt 1: Der nicht vorhandene Konjunktiv in Strophe 2 Vers 3.
Dein Gedicht beginnt im Konjunktiv und hält ihn exakt bis zur Mitte der zweiten Strophe.
Genau dort befindet sich das lyrische Ich doch noch immer in der Hypothese, also dem Konjunktiv und demnach musst das Gedicht auch dort im Konjunktiv stehen.
Ich las erst "Auch wöllt ich deinen Wellen lauschen", tatsächlich wäre aber auch das falsch, denn es ging nicht ums konjunktiv wollen, sondern um das konjunktiv lauschen, also "ich lauschte gerne deinen Wellen".
Ich halte sie für eine ziemlich knackige Nuss, diese Stelle.
Die Schwierigkeit liegt in der Verwendung des Verbs am Schluss des Verses, was du in den vorherigen Zeilen anders gemacht hattest. Aber es soll ja nicht zum Setzbaukastenspiel verkommen, denn das würde dem Gedicht wirklich nicht gerecht, denn es ist sehr schön und zart.
Ein minder-guter Vorschlag von mir zur Lösung des Debakels ist: "Auch würd ich deinen Wellen lauschen", zumindest den alliterativen Pluspunkt könntest du dieser Idee zugestehen.
Der wohl einzige Fehler im Gedicht:
Der vierte Vers der zweiten Strophe sagt "die abends an mir branden".
Aber tagsüber branden die Wellen doch genauso an dem Leuchtturm.
Abends ergibt also keinen Sinn, oder taucht der Leuchtturm nur des Nachts im Traum auf?
Das aber steht nun wirklich nicht mehr da und diese Fantasie ist wohl nicht gestattet und rührt aus einer zu fernen Interpretation deiner Verse.
Konjunktiv und Fehler ergeben:
Zusammen mit dem Vorschlag auch hier in den Konjunktiv zu wechseln, böte dir das eine großen zwei-verslangen Spielraum für ein anderes Bild aus deinem Traumfundus des wegweisenden Leuchtturms.
Mir ist durchaus aufgefallen, dass du zwei Verse pro Satz und damit zwei Sätze pro Strophe verwendest, dieses würde ich also nicht unbedingt aufgebrochen sehen wollen. Da es sich aber um die zweite, also mittlere Strophe handelt, wäre selbst das Aufbrechen dieser formalen Einheit von 2 Sätzen pro Strophe erlaubt, da die Symmetrie des Aufbaus über alle drei Strophen erhalten bliebe.
Ich erlaube mir, dir Vorschläge zu machen, Schmuddelkind, ich weiß, dass du die Dichtkunst drauf hast
Ich probierte eine Weile herum und das Beste was mir wohl gelang ist wohl:
Dir soll das als Inspiration dienen.
S2:
1 Du sprächest durch das leise Rauschen
2 der Muscheln, die hier stranden.
3 Ich würde deinen Wellen lauschen, /Vorschlag 1
3 und ich würd deinen Wellen lauschen, /Vorschlag 2
4 sie spüren, wenn sie branden. / Vorschlag 1 / verspürte ??
4 es fühlen, wenn sie branden / Vorschlag 2 / erfühlte ??
Kritikpunkt 2: Die Betonung in Strophe 3 Vers 1
S3 zwingt mich nach mehrmaligem Lesen immer wieder "Doch du lässt" zu lesen, obwohl es anders da steht.
Ist das meine eigene Gewohnheit? Ich möchte hier wohl das Subjekt, das im Gedicht so wichtige angesprochene, "du" betont sehen. Betonst du "lässt", wirkt es dann für das lyrische Du als herablassend? Wirkt es so, dass das lyrische Ich verzweifelt / traurig / bedauernd / betrübt denkt?
Betonst du "du" ... ist es dann nicht, als wäre das lyrische Du jemand, der es sowieso anders macht und wie er es will? Also wirkt es dann, als wäre das lyrische Du "herablassend"?
Schwierig schwierig, und beim Schreiben dieser kleinen Kritik denke ich ... ist es nicht perfekt so, wie du es geschrieben hast? Denn das lyrische Ich sieht einen Wunsch darin und die Handlung ("lässt" betont) kommt vom lyrischen Du.
So schwelgt das lyrische Ich in im Wunsch und Traum und stellt sich vor, der Leuchturm im Meer der Heimlichkeiten seiner Angebeteten zu sein.
Hach ... wenigstens da ...
Liebe Grüße,
Werner
P.s: Müsste es nicht "deiner Träume Weiten" heißen?