Feedback jeder Art Mantis religiosa

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  • Perry
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861
Der Abendsonne letzter Strahl
erfüllt ein stilles Wiesental,
umhüllt mit einem Hauch von Rosa
die grüne Mantis religiosa.
 
Die Arme himmelwärts erhoben,
als wollte sie den Schöpfer loben
mit stummem Dank in einem Psalm,
so thront sie auf dem Schachtelhalm.
 
Vom Beten wird sie doch nicht satt.
Der Käfer auf dem Glückskleeblatt
mit knusprig zarten Flügeldecken,
der würde ihr vorzüglich schmecken.
 
Sie wartet, anmutsvoll verrenkt.
Der Käfer sieht nur Grün und denkt:
"Auf diesem Halm geh ich zur Ruh" -
da plötzlich schnappt die Falle zu.
 
Schon liegt er tot in ihren Armen.
Die Beterin kennt kein Erbarmen.
Das Beten hat sich gut bewährt,
dies Abendessen ihr beschert.
 
Da pflückt von ihrem Lauersitze
ein Storch sie mit der Schnabelspitze.
Beim Schmaus auf ihrer hohen Warte
stand sie auf seiner Speisekarte.
 
Moral:
 
Das Unheil von sich fernzuhalten,
hilfts nicht, die Hände bloß zu falten.
Nicht Haltung, äußerlich gewählt -
die innerliche ists, die zählt.
 
 
 
Autorin
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Hallo Cornelius,
 
das ist eine sehr ausgefeilte Geschichte und dann noch mit einem sehr weisen Schluss.
 
Gern und schmunzelnd gelesen.
 
Lieben Gruß, Letreo
 
Autor
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12.05.22
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Hey Cornelius,
 
also kurz und knapp gesagt: Geil!
 
Da hast du wieder eine kleine Reise durchs Tierreich unternommen in deinen Zeilen und sie mit einer schön trefflichen Moral verknüpft, beides passt sinnig super ineinander!
 
Möglicherweise sollte der Sinn einer Moral wie dieser, bzw dieser Moral, echt mal mehr Menschen verstehbar gemacht werden (Danke für den Schritt dahin 😄)
 
Irgendwo dortzwischen, zwischen Moral und Mensch, liegt die Grenze zwischen Stärke und Angst/Zugzwang, zwischen Tun nach Möglichkeit und Notwendigkeit, zwischen Schmied und Mönch (des Schicksals, der eine schmiedet seines, der andere betet dafür .. wie es wohl um das Ansehen der beiden steht, welcher ist geschätzter? 🤔
*also die Frage meine ich ernst, nicht rhetorisch 😅)
 
Lieben Gruß
Delf
 
Autor
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23.08.08
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6.491
Hallo Cornelius,
ob religös oder nicht, Sieger sind immer jene, die am Ende der Nahrungskette stehen. Nur blöd, wenn sie sich letztlich dann selbst auslöschen sollten.
Anschaulich dargebracht und zum Nachdenken anregend.
Gern reflektiert und LG
Perry
 
  • Perry
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