[QUOTE='Nike]Dein Körper wurde auserkoren xXxXxXxXx
Zur Leinwand meiner Malerei xXxXxXxX
Als Billet an den Höllentoren XxXxxXxXx
ein wahrhaft kreativer Schrei xXxXxXxX
Betteln wird Dir hier nichts nützen XxXxXxXx
niemand wird meine Arbeit stören XxxXxXxXx
Selbst Gott kann Dich nicht vor mir schützen XXxXxXxXx
Noch will er Dein Gejammer hören xXxXxXxXx
Getrennt von Deiner Lämmer Herde, xXxXxXxXx
kannst Du blöken wie Du willst XxXxXxX
Im Wolfsbau tief unter der Erde xXxXxxxXx
wo Du bald meinen Hunger stillst xXxXxXxX
Schon morgen greinen Sittenwächter xXxXxXxXx
Verwerflich werden sie es nennen xXxXxXxXx
Statt Künstler heißen sie mich Schlächter xXxXxXxXx
Kein Schaf kann wahre Kunst erkennen xXxXxXxXx
[/QUOTE]Hallo Lena,
ich musste mein Wissen erstmal im Lexikon auffrischen. Als Freundschaftsdienst habe ich dir mal die Hebungen (Betonungen) und Senkungen (wenig betonte Silben) in deinem Gedicht neben die Zeilen geschrieben. Ich nehme an, Du kennst das Schema: X = betont, x = unbetont. Ein Jambus wäre xX, ein Trochäus Xx. Hängt i.W. davon ab, ob Du eine Zeile mit einer betonten oder unbetonten Silbe beginnen lässt und dann die Abwechslung betont/unbetont durchhältst.
Vollständig gelungen ist dir das in der letzten Strophe, die sich daher auch durchgängig flüssig liest: Jambus, vier Hebungen = vierhebiger Jambus.
In den anderen drei Strophen wechselst Du unsystematisch zwischen Jambus und Trochäus; Außerdem kommt es auch mal zu zwei Senkungen oder zwei Hebungen hintereinander. Das sind diese kleinen Stolpersteine im Lesefluss.
Ich bin kein Hohepriester der Metrik. Meine Sachen habe ich alle nach Gefühl geschrieben, bevor ich hier seit Mai "einzog" und mir etwas an Wissen dazulas. Allerdings konnte mir dieser Einblick in die Theorie (finde sie auch trocken) inzwischen ein paar Mal helfen herauszufinden, warum mir mein Sprachgefühl etwas unrundes anzeigte - das konnte ich vorher nicht. Studieren und mein Diplom machen möchte ich in dem Thema allerdings nicht. Eher pragmatisch nach Bedarf dazulernen.
Dein Text ist durch die inspirierende Vorlage wirklich stark in den Bildern. Ein wenig Durchschlagskraft verliert er aber, da man beim Lesen immer wieder aus dem gesuchten "Takt" geworfen wird. Und bei gereimten Gedichten sucht vermutlich jeder Leser unwillkürlich nach dem Takt - der Metrik.
Manchmal lässt sich das Problem "Wie bringe ich meine Metapher in dieses Scheiss-Schema?" leichter lösen, manchmal schwerer, manchmal nicht. Ich sehe aber einen Unterschied, bei Verletzungen der Regeln: Ob es einer aus mangelndem Wissen (oder Bräsigkeit oder Bequemlichkeit) schleifen lässt, oder weil er sich auskennt und sein Handwerk halbwegs beherrscht und einen Grund hat, ausnahmsweise mal die Regel zu brechen.
Die Alternative ist natürlich, von vorneherein ungereimt zu schreiben, wie z.B. Perry. Ich bin mir allerdings sicher, dass er ein Auge auf die Metrik hat. Und Dichtel schreibt ja nun völlig in seinem eigenen Universum, ist aber in den handwerklichen Themen durchaus ein Fuchs (mir weit voraus), was man an seinen Kommentaren immer wieder bemerkt.
Es gibt keine Fleisspunkte hier, nur den sozialen Druck durch die Besserwisser, den Austausch mit den (grundsätzlich) Freundlichen und den eigenen Anspruch.
GLG an dich und die deine
Ruedi